Der “vermorgenbrödlete” Hochwald

Eine überlieferte Geschichte berichtet von einem Edelfräulein namens Adelheid, das auf der Randenburg bei Beggingen (CH) gelebt hat. Ihr war bekannt, dass sowohl die Fützener als auch die Schleitheimer gern den zwischen ihren Gemeinden liegenden Wald, der sich in Adelheids Besitz befand, erworben hätten.

Eines Tages hat sie daher beschlossen, den beiden Gemeinden diesen Wald zu gleichen Teilen abzutreten. So wurde ein Termin mit Ort und Stunde für die Übergabe festgesetzt, mit der Maßgabe, dass dieser unbedingt pünktlich einzuhalten sei.

Also machten sich die Räte der beiden Kaufaspiranten auf den Weg. Die Fützener Vertreter begaben sich ohne Umschweife zum Treffpunkt und trafen dort auch rechtzeitig ein. Die Schleitheimer allerdings hatten es weniger eilig. In der Meinung, dass sie noch reichlich Zeit hätten, ließen sie sich unterwegs nieder und genossen ein gemütliches morgendliches Vesper (“z’Nüni”), nach welchem sie sich schließlich frisch gestärkt auf den Weg machten.

Als sie dann endlich frohgelaunt am Verhandlungsort eintrafen, war schon alles passiert. Das Burgfräulein hatte nämlich, äußerst ungehalten, angesichts der Tatsache, dass die Schleitheimer nicht pünktlich erschienen waren, den Fützenern bereits den ganzen Wald zugeschlagen.

Ziemlich geknickt mussten die “Verlierer” unverrichteter Dinge wieder abziehen. Den Spott hatten sie dazu noch lange zu ertragen, da man ihnen vorwarf, den kostbaren Wald “vermorgenbrödlet” zu haben.


 

Der Lunzistein

In der Wutachschlucht zwischen Fützen und Blumegg ragt ein einsamer Felsturm in die Höhe. Diesem Felsen hat man den Namen “Lunzistein” gegeben. Damit wird an ein dramatisches Ereignis aus früherer Zeit erinnert.

Ein junger, starker Freibauer namens Lunzi lebte einstmals in der Nähe des Thalerhofs. Er hatte die Absicht die schöne Mechthild von Blumberg zur Frau zu nehmen. Doch bevor es dazu kam, überraschte er den Burgvogt beim Versuch, seine Braut Mechthild gewaltsam zu küssen. Ohne Zögern schlug der Freibauer dem Burgvogt die Faust mit aller Gewalt ins Gesicht, dass dieser “alle Zähne schlucken musste”. Lunzi floh mit seiner Braut in sein Gehöft, wo er sich mit Lebensmitteln und Waffen ausstattete. Auch seinen Hund Beißwolf nahm er mit. Dann suchten die beiden Liebenden Zuflucht auf dem Felsen.

Es dauerte eine ganze Weile bis der Burgvogt und seine Leute den versteckten Schlupfwinkel fanden. Sofort entbrannte ein heißer Kampf zwischen Lunzi und dem Vogt mit seiner Gefolgschaft. Aber erst als der Freibauer alle Pfeile verschossen hatte, gelang es seinen Gegnern auf ihn einzudringen und ihn niederzuschlagen.

Nun glaubte der Vogt leichtes Spiel zu haben und Mechthild ergreifen zu können. Diese jedoch zog es in ihrer Verzweiflung vor, mit einem letzten Aufschrei vom hohen Felsen in den Tod zu springen. Dem schwer verletzten Lunzi aber gelang es, sich noch einmal zu erheben, all seine Kraft zusammenzunehmen und dem Burgvogt mit einer Axt den Schädel zu spalten. Anschließend entschwand er im angrenzenden Wald. Niemand hat ihn je wieder gesehen.

Der Fels aber trägt seit diesem tragischen Geschehen den Namen “Lunzistein” oder “Brautfluh”.


 

Das Schelmenbrünneli

Zu früheren Zeiten gab es in Fützen ein Femegericht. Es setzte sich aus vier Bürgern und dem Pfarrer zusammen. Ihre Aufgabe war es, alle zu verurteilen, die etwas verbrochen hatten. Die Verurteilten lud man, wie es damals üblich war, auf einen Karren, spannte ein Ross davor und führte sie Richtung Grimmelshofen zum Ort hinaus.

An der Weggabelung beim Giggelikreuz ging es auf dem Seeweg bergauf bis zum Brünneli. Dort durften die Todeskandidaten noch einmal trinken. (Der Name Schelmenbrünneli hat sich von daher bis heute erhalten.)

Am Brünneli angekommen, wurden die Verurteilten vom Wagen genommen und auf ein Brett gebunden (der Grund dafür ist nicht bekannt). Dann wurde das Ross vor das Brett mit dem Delinquenten gespannt und zog anschließend das Brett samt “Besatzung” den Fußweg zum Galgenbuck hinauf, wo die Hinrichtung stattfand.

Eines Tages aber geschah es, dass ein zum Tode Verurteilter, der nach dem letzten Schluck am Brunnen auf dem Brett zur Richtstätte geschleift werden sollte, in dem Augenblick, als das Ross anzog, mit dem Kopf unter den großen Stein geriet, der auf dem Brünneli lag, und es gelang nicht, ihn darunter hervorzuholen.

Als man darauf das Ross rückwärts anspannte, wollte dieses nun aber nicht mehr anziehen. Weder gute Worte noch Schläge halfen. So entschloss man sich dazu, aus dem Dorf drei weitere Rösser zu holen. Doch auch jetzt ging nichts, weil keines der Zugtiere anziehen wollte. So musste man den Kopf wohl oder übel herausgraben.

Von diesem Tag an band man die Verurteilten nicht mehr auf das Brett, sondern trug sie zur Vollstreckung des Urteils zum Galgen hinauf.


 

Fützener Fasnetlied

(Melodie: Ein Jäger aus Kurpfalz - Text.: Rudolf Schöpperle)
 

Jetzt goht die Fasnet a

  1. Jetzt goht die Fasnet a
    ob Jung, ob Alt, ob Wieb, ob Maa
    zieht ‘s Fasnethäs jetzt aa
    und rennt was renne cha.

    II: Narri, Narro, und wer sich vor de Fasnet druckt
      isch ‘s ganze Johr verruckt, isch ‘s ganze Johr verruckt.:II
     
  2. Frau Wirtin schenket ie,
    bringt Schnaps und Sekt und Bier und Wii,
    hit wemmer luschtig sii,
    bis d’Fasnet isch vorbie.

    II: Narri, Narro, und wer sich vor de Fasnet druckt
      isch ‘s ganze Johr verruckt, isch ‘s ganze Johr verruckt.:II
     
  3. Jetzt isch die Fasnet do,
    en jeder sot emol im Johr
    sie Chälbli renne lo
    es wird scho wieder cho!

    II: Narri, Narro, und wer sich vor de Fasnet druckt
      isch ‘s ganze Johr verruckt, isch ‘s ganze Johr verruckt.:II

 

Das Fützener Lied

In der Zeit zwischen 1924 und 1932, als Fützen noch zum Schulamtsbezirk Waldshut gehörte, besuchte der damalige Kreisschulrat Eisinger Fützen auch außerhalb des Dienstes sehr gern. Er hatte Fützen und die Umgebung in sein Herz geschlossen. Aus diesem Grund verfasste er auch das nachfolgend aufgeführte Lied über Fützen, geschrieben im Stil der damaligen Zeit, und übergab es dem Schulmeister zur Verwendung im Unterricht.
Im Laufe der Zeit wurde dieses Lied eine Art “Heimathymne”, die auch heute noch hin und wieder zu hören ist. Der Gesangverein “Sangeslust” hat das Lied in seinem Repertoire. Auch beim Festakt der 900-Jahrfeier gehörte es zum Programm.

1. Wir singen jetzt aus voller Brust ein Lied von hellem Klang
  dem Heimatdorf, dem teuren Ort soll gelten unser Sang.
  Du liebes Füetze sei gegrüßt, gegrüßt aus Herzensgrund.
  Und Gruß dem ganzen Heimatort in weiter, weiter Rund’.
  Füetze, mi Füetze sei gegrüßt, Füetze, mi Füetze sei gegrüßt.

 

2. Wo Vaters Hand und Mutters Herz uns leiten stark und treu,
  wo echter Bürgersinn und Stolz sich regen froh und frei.
  Wo Gott und Volk und Vaterland und hohes hehres Gut,
  nur da ist Heimat, heil’ges Land, wir sind dir Füetze gut.
  
Füetze, mi Füetze sei gegrüßt, Füetze, mi Füetze sei gegrüßt.

 

3. In weitem freiem Hochlandtal, im grünen Felderkranz,
  liegst du mein Füetze lieblich da, du Perl’ des Randenlands.
  Stolz grüßen Eichberg, Buchberg her, stolz grüßen Randens Höh’n
  und Schwarzwalds dunkle Wälderpracht, o Heimat, du bist schön.
  Füetze, mi Füetze sei gegrüßt, Füetze, mi Füetze sei gegrüßt.